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SO | 21.03.2010
Die Kriminalisten bei der Spurensicherung (Bild: APA/Oczeret)
Chronik
Psychologe: "Ein spezieller Fall"
Der Psychologe Cornel Binder-Krieglstein vom Berufsverband der österreichischen Psychologen spricht in Zusammenhang mit den Inzestvorwürfen in Amstetten von einem "speziellen Fall".
Bei Fällen von körperlicher, psychischer oder sexueller Gewalt sei die Dunkelziffer sehr hoch. Vieles werde gar nicht bekannt.
Dunkelziffer ist sehr hoch
Für den Experten ist die Überlagerung von mehreren Faktoren erschreckend. Es dürfte sich hier nicht nur um einen Missbrauch im eigenen Umfeld am eigenen Kind über längere Zeit handeln, sondern auch um das zusätzliche Einsperren des Opfers. "Das ist sehr auffällig", sagte Binder-Krieglstein im APA-Gespräch.

Bei Fällen von körperlicher, psychischer oder sexueller Gewalt sei die Dunkelziffer sehr hoch. Vieles werde gar nicht bekannt. "Mädchen und junge Frauen trauen sich auch Jahre danach nicht, etwas zu sagen", sagte der Psychologe. Das Opfer ist vom Täter psychisch abhängig. "Hier wird mit Geheimnissen gearbeitet: 'Du darfst niemandem etwas sagen, was zwischen uns passiert ist.'"
"Er ist nicht selbstbewusst"
Was bei diesem Fall auffällt, ist, dass es sich hier um eine spezielle Form der Gewaltausübung, nämlich das Einsperren, handelte. Der mutmaßliche Täter wollte laut Binder-Krieglstein so seine Macht zeigen.

Der Mann dürfte eine unsichere Persönlichkeit, gepaart mit einer starken kriminellen Energie, haben. "Er ist nicht selbstbewusst. Er geht mit seiner Bedürfnisbefriedigung nicht nach draußen, sondern sucht sie im unmittelbaren Kreis, in der Familie."

Der Triebimpuls dürfte bei dem mutmaßlichen Täter so stark gewesen sein, dass er durch alle Instanzen der Vernunft, des Über-Ichs, des Gewissens und der Moral gegangen sei. "Es ist auffällig, dass hier mehrere pathologische Strukturen durchkommen", so Binder-Krieglstein. "Das macht es um eine Spur dramatischer."
Starkes Abhängigkeitsverhältnis
Opfer von häuslicher und körperlicher Gewalt haben ein starkes Abhängigkeitsverhältnis. "Das Kind hält sich zurück, etwas zu sagen. Das Kind liebt den Vater ja auch sehr. Es will nicht verantwortlich sein, dass er die Familie verlässt. Es hat aber höllischer Qualen zu erleiden."

In vielen Fällen spielen dabei auch die Mütter mit, so Binder-Krieglstein. "Und die Kinder allein sind nicht stark genug, dagegen aufzutreten."
Erst wenn sie die Stufen zur Normalität bemerken, brechen sie aus. "Manche sehr spät und manche nie", sagte der Psychologe.
"Manche brechen nie aus"
Für die Opfer ist Gewalt auch die Form des sehr nahen Kontaktes. "Auch wenn das für Außenstehende unglaublich klingt, aber die Opfer denken, wenn er herhaut, ist er wenigstens mit mir beschäftigt. Zumindest so bekomme ich Aufmerksamkeit", so Binder-Krieglstein.

"Und so entscheiden sie sich für diesen Weg, solange sie noch in der Abhängigkeit sind und wenn sie sonst keinerlei Unterstützung bekommen." Erst wenn sie die Stufen zur Normalität bemerken, brechen sie aus. "Manche sehr spät und manche nie", sagte der Psychologe.

Jetzt sei für die Kinder eine psychologische Betreuung unbedingt wichtig. "Sie brauchen ein stabiles soziales Umfeld und Unterstützung in der Verarbeitung."
Zu diesem tragischen Ereignis kann nicht gepostet werden.
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