Immer mehr Private gehen pleite
„Einmal mehr zeigt sich, dass die sogenannte Krise primär eine Krise des Finanzsektors ist und dass sich die Realwirtschaft gut behaupten kann“, sagten die Experten bei der Präsentation des Berichts.
5.000 Privatinsolvenzen
In den ersten sechs Monaten stieg die Zahl der Privatkonkurse im Jahresvergleich um zwei Prozent auf 5.016 Verfahren. Die Schulden stiegen um acht Prozent auf 609 Millionen Euro, so dass die durchschnittliche Pro-Kopf-Verschuldung bei 122.000 Euro lag. Allerdings betrifft ein Drittel dieser Verfahren Personen, deren Schulden aus früherer Selbstständigkeit resultieren - womit die durchschnittliche Schuldsumme „echter“ Privater bei etwa 55.000 Euro liegt.
Die meisten Pleiten privater Personen gab es im Osten Österreichs (Wien, Niederösterreich und Burgenland), wohingegen sie im Westen (Salzburg und Tirol) zurückgingen. Im Gesamtjahr 2012 erwartet der KSV, dass die Zehntausendermarke bei Privatpleiten überschritten wird.

APA
3.000 Firmenpleiten
Hochgerechnet 3.044 Unternehmen wurden im ersten Halbjahr insolvent, im Jahr davor waren es 2.996. 1.232 Verfahren (minus acht Prozent) wurden mangels Masse nicht eröffnet. Tatsächlich eröffnet wurden 1.812 Fälle, das entspricht einem Zuwachs von 9,4 Prozent. Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV), der seine Insolvenzstatistik für das Halbjahr davor veröffentlicht hatte, kam hier zu einem ähnlichen Ergebnis.
Von den Firmenpleiten waren rund 9.700 Beschäftigte betroffen, um fast acht Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2011. Die geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten blieben mit 1,3 Milliarden Euro etwa auf Vorjahresniveau.
Bauwirtschaft am stärksten betroffen
Während die Firmeninsolvenzen österreichweit praktisch unverändert waren, zeigen sich in den Bundesländern ganz unterschiedliche Trends. Am kräftigsten stiegen die Firmenpleiten mit rund 39 Prozent (auf 124 Fälle) im Burgenland. Zurückgeführt wird das auf eine Zunahme der Konkurse von Verlassenschaften.
In Salzburg führte eine geänderte Praxis des Insolvenzgerichtes, ab welchem vorhandenen Vermögen ein Verfahren eröffnet wird, zu einem Anstieg um fast 28 Prozent auf 212 Fälle. Der größte Rückgang mit minus 14 Prozent auf 179 Fälle wurde in Tirol verzeichnet. Das Wirtschaftsklima in Wien wird als gut beurteilt, die Fälle werden aus Sicht der Insolvenzexperten immer unbedeutender. In Summe gab es in der Bundeshauptstadt um acht Prozent weniger Firmenpleiten.
Die meisten Pleiten gab es traditionell in der Bauwirtschaft (551 Verfahren, 206 Millionen Euro Passiva) und in den unternehmensbezogenen Dienstleistungen (522 Verfahren und 300,8 Millionen Euro Passiva) sowie im Gastgewerbe (418 Verfahren, 62,5 Millionen Passiva).
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Publiziert am 26.06.2012

