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DI | 09.02.2010
 Josias Kumpf (Bild: EPA/THE JOURNAL TIMES)
CHRONIK
KZ-Wächter Kumpf in Wien gestorben
Der ehemalige KZ-Wächter Josias Kumpf ist im Alter von 84 Jahren in Wien gestorben. Das erklärte sein Sachwalter gegenüber dem Nachrichtenmagazin "profil". Er soll 1943 an der Ermordung von 8.000 Juden beteiligt gewesen sein.
Von USA nach Österreich ausgeliefert
Das Office of Special Investigations (OSI) des US-Justizministeriums war im Jahr 2001 auf den 1925 im heutigen Serbien geborenen Mann gestoßen. Nach dem Krieg lebte er zunächst in Österreich, bevor er 1956 in die USA auswanderte. Dort ließ er sich in Racine im Staat Wisconsin nieder und wurde 1964 amerikanischer Staatsbürger.

Der Umstand, dass Kumpf seine SS-Mitgliedschaft bei der Einreise in die USA 1956 verschwiegen hatte, führte 2005 zur Aberkennung seiner amerikanischen Staatsbürgerschaft. Im April dieses Jahres wurde er von den USA nach Österreich ausgeliefert.

Österreich musste den staatenlosen, pflegebedürftigen Mann aufgrund völkerrechtlicher Verpflichtungen aufnehmen. Er starb am Donnerstag im Wilhelminenspital, wie gegenüber dem ORF Wien bestätigt wurde.
Kumpf wurde vergeworfen, an der Ermorderung von 8.000 Juden beteiligt gewesen zu sein.
Vorwurf: An "Aktion Erntefest" beteiligt
Kumpf war im Alter von 17 Jahren der SS beigetreten und unter anderem im KZ Sachsenhausen zum Einsatz gekommen. Im November 1943 wurde er in das Konzentrationslager Trawniki verlegt - unmittelbar bevor dort bei der "Aktion Erntefest" 8.000 Juden erschossen wurden.

Kumpf hatte ausgesagt, am Tatort gewesen zu sein, gleichzeitig aber stets den Vorwurf einer direkten Beteiligung am Massenmord zurückgewiesen.

"Ich war dort, in Trawniki. In jener Nacht. Ich war ein Wächter, am Zaun - Sie verstehen?", sagte er im Juni im "profil"-Interview. "Aber ich kam zu spät. Als ich hinkam, hatte man sie schon erschossen. Hunderte. Tausende. Mit dem Maschinengewehr."
Keine Anklage in Österreich
Nach Angaben des Justizministeriums konnte er in Österreich nicht mehr vor Gericht gestellt werden, weil die ihm zur Last gelegten Verbrechen nach den österreichischen Gesetzen des Jahres 1945 verjährt seien. Kumpf war zur Tatzeit jünger als 20 Jahre.

Zuletzt hatte ein spanisches Gericht gegen Kumpf Anklage wegen Verdachts auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit erhoben.
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