Das Schild einer Tabaktrafik
ORF.at/Rafaela Steckbauer
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Wirtschaft

Zigaretten werden ab 1. Oktober teurer

Anfang Oktober werden Zigaretten um 20 Cent pro Packerl teurer. Grund ist aber nicht nur die wegen der Coronavirus-Krise um ein halbes Jahr verschobene Anhebung der Tabaksteuer. Hersteller erhöhen die Preise auch wegen anderer Mehrkosten der letzten Jahre.

Der Sprecher von JTI Austria, der früheren Austria Tabak, Ralf-Wolfgang Lothert, verwies im APA-Gespräch auf zusätzliche Kostenfaktoren der letzten drei Jahre wie die von der Europäischen Union (EU) der Branche auferlegte Umstellung der Zigarettenpackungen, Gebührenzahlungen an die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), Kosten für das europäische Zigaretten-Rückverfolgungs-Tracking- und -Tracing-System sowie letztlich auch die Tabaksteuererhöhung, die eigentlich schon mit 1. April fällig gewesen wäre.

Philip-Morris-Sprecher Florian Gross nannte ferner die Mindesthandelsspanne für die Trafikanten, die angehoben wird. Diese Spanne werde marginal erhöht, faktisch nachgezogen, wie dies im Regierungsprogramm zur Existenzsicherung verankert sei, so Trafikantenobmann Josef Prirschl: „70 Prozent unserer Deckungsbeiträge kommen vom Tabak.“

5.200 „Trafiken“

In Österreich wird Tabak ausschließlich über Fachgeschäfte und lizenzierte Verkaufsstellen vertrieben, beides zusammen ergibt mehr als 5.200 „Trafiken“. Diese hätten durch die Coronavirus-Krise viel von ihrem Geschäft verloren, etwa beim Ticketverkauf, teils auch beim Glücksspiel – im Lockdown stärker, doch auch jetzt noch leicht im Minus. Im Vergleich zu anderen Branchen müsse man aber zufrieden sein, so der Trafikantenobmann.

Gesamtmarkt stabil

Die beiden Marktführer, Philip Morris mit etwa 40 Prozent Anteil und JTI Austria mit rund einem Drittel, und auch die Trafikanten selbst gehen für das heurige Coronavirus-Jahr 2020 unisono von einem stabilen bis leicht steigenden Zigarettenmarkt in Österreich aus.

In der Coronavirus-Krise wird nicht weniger geraucht, sondern eher an anderen Orten, zum Beispiel mehr daheim als auf dem Weg in die Arbeit, auf Bahnhöfen, Flughäfen oder anderen Verkehrsknotenpunkten.

Weniger Ausländerkäufe und Selbstimporte

Im Westen Österreichs wurden durch die Reiseeinschränkungen wegen Covid-19 heuer weniger Zigaretten verkauft, weil sich Deutsche und Schweizer seltener relativ günstig bei uns eindecken konnten – im Osten mehr, weil dort weniger Rauchware aus dem Ausland mitgebracht wurde. „Die Österreicher kaufen heuer mehr im Inland“, so Prirschl. 2019 seien 14 bis 15 Prozent des gesamten Zigarettenvolumens nicht in Österreich versteuert worden, sagte Lothert.

Im Schnitt fünf Zigaretten pro Tag

Aus der Tabaksteuer nahm der Staat 2019 rund 1,9 Milliarden Euro ein – samt Mehrwertsteuer 2,4 Milliarden Euro. Der Umsatz der Trafikanten aus Tabakwaren betrug 3,15 Milliarden Euro. Heuer bis Juni wurden 27 Millionen Euro mehr Tabaksteuer eingenommen als im gleichen Zeitraum 2019.

Dabei stach der Lockdown-Monat April mit 13 Prozent Einnahmenplus besonders heraus. Grund waren die Grenzschließungen, da es fast unmöglich war, Zigaretten aus dem Ausland zu importieren, hieß es in einer Aussendung des Finanzministeriums. 2019 wurden in Österreich 13,6 Milliarden Zigaretten geraucht – 1.700 Stück pro Einwohner pro Jahr und fast fünf „Glimmstängel“ pro Tag für jede Österreicherin und jeden Österreicher.