Wirtschaft

Geldvermögen der Haushalte geschrumpft

Die heimischen Haushalte sind ärmer geworden. Wie die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) am Donnerstag mitteilte, ist das private Geldvermögen erstmals seit der Finanzkrise 2008 gesunken. Die hohe Inflation und Verwerfungen auf dem Finanzmarkt hätten außerdem die Struktur der Investitionen verändert.

„Die Erholung der globalen Wirtschaft nach der Pandemie wurde abrupt durch die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine unterbrochen“, sagte Vizegouverneur Gottfried Haber am Donnerstag. Die hohen Energiepreise, die die Inflation befeuern und das Auslaufen der Pandemieeffekte würden heuer zu einer deutlich niedrigeren Sparquote führen als in den vergangenen zwei Jahren.

Umdenken bei finanzieller Veranlagung

Die seit 2020 anhaltende Ausnahmesituation habe außerdem ein Umdenken der österreichischen Haushalte im Bezug auf ihre finanzielle Veranlagung zur Folge gehabt. So seien risikoreiche Anlageformen beliebter geworden, während Einlagen auf dem Bankkonto oder auf Sparbüchern an Attraktivität verloren hätten.

„Haushalte haben ihren Anlagefokus seit Beginn der Pandemie deutlich zugunsten von Aktien und Investmentzertifikaten verschoben“, erklärte die Nationalbank am Donnerstag. Einlagen seien hingegen nur in geringem Ausmaß aufgebaut worden. Die OeNB rechnete vor: Österreichs Haushalte veranlagten 2021 mit 24,2 Mrd. Euro etwas weniger als im Vorjahr (28,3 Mrd. Euro). Im ersten Halbjahr 2022 erreichten die Finanzinvestitionen mit 7,2 Mrd. Euro etwa das Niveau des Vergleichszeitraums 2019.

Grafik zum privaten Geldvermögen
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: OeNB

Deutliche Vermögensverluste

Verwerfungen am Finanzmarkt, vor allem die ungünstigen Kursentwicklungen von Aktien und Investmentzertifikaten, hätten im ersten Halbjahr 2022 aber zu deutlichen Vermögensverlusten geführt. Das Geldvermögen des heimischen Haushaltssektors lag Ende des ersten Halbjahres 2022 mit 799 Mrd. Euro um 3,4 Prozent unter jenem am Jahresende 2021. Das Geldvermögen der privaten Haushalte ist somit erstmals seit der Finanzkrise 2008 geschrumpft.

Das nettoverfügbare Einkommen der Haushalte sei 2021 um 4,3 Prozent gestiegen, real habe sich ein Zuwachs von 1,9 Prozent ergeben. „Unter Berücksichtigung der momentanen Unsicherheiten und dem Auslaufen der Pandemieeffekte“ erwartet die Nationalbank für 2022 nun ein Sinken des realen Einkommens um 1,5 Prozent.

Sparquote sinkt

Die Sparquote sei 2021 mit zwölf Prozent unter jener des ersten Pandemiejahres gelegen (13,3 Prozent), im Vergleich zu den 2010er Jahren aber dennoch auf einem sehr hohen Niveau. Mit dem Auslaufen der Pandemieeffekte dürfte die Quote im heurigen Jahr mit rund 7,2 Prozent deutlich unter den vergangenen zwei Jahren liegen (laut WIFO-Schätzung vom Oktober 2022). Der Konsum, der 2020 aufgrund der gesundheitspolitischen Maßnahmen, etwa CoV-Lockdowns, „in historischem Ausmaß“ eingebrochen war, habe sich 2021 wieder erholt, konnte das vorangegangene Jahr aber nur teilweise kompensieren.

Wohnen am wichtigsten

Seit Beginn der Pandemie habe sich auch die Struktur des Konsums hinsichtlich Verwendungszweck deutlich verändert. Wohnen (ohne Wohnungskauf) sei weiterhin die wichtigste Komponente und habe im Verlauf der Pandemie an Bedeutung gewonnen. 2021 hätten Haushalte rund 26 Prozent ihrer Ausgaben in diesen Bereich gesteckt. Vor der Pandemie, 2019, seien es noch 23 Prozent gewesen.

Gleichzeitig seien die Ausgaben in der Gastronomie, auch aufgrund von Lockdowns, deutlich gesunken, während die Aufwendungen für Nahrungsmittel und Getränke gestiegen seien.