Klage an mangelnder „Sterbekultur“

Ein Jahr nach der Hospiz-Enquete im Parlament hat die Caritas an weiter bestehende Versorgungslücken erinnert. Lebenskultur bedeute auch „Kultur des Sterbens“, wurde betont. Der Vergleich etwa mit Deutschland stellt Österreich tatsächlich kein gutes Zeugnis aus.

Die Erfolge der parlamentarischen Enquetekommission „Würde am Ende des Lebens“ sind ein Jahr danach nur schwer auszumachen, der Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung geht kaum voran. Man müsse Versorgungslücken schließen, die Regelfinanzierung sichern und den Rechtsanspruch sicherstellen, forderte Caritas-Präsident Michael Landau in einer Pressekonferenz am Karfreitag.

„Gestorben wird auch 2018“

Bund, Länder und Sozialversicherung müssten sich rasch auf eine Verbesserung der Versorgung und vor allem die Finanzierung einigen. Man könne sich nicht von einem Provisorium zum nächsten weiterhanteln, denn: „Gestorben wird auch 2018 und darüber hinaus.“ Landau verwies auf Versorgungsmängel in Österreich, der Bedarf sei nur zu 50 Prozent gedeckt. In Deutschland gebe es 200 stationäre Hospize, in Österreich nur zwei.

Zur geplanten Bedarfsdeckung im Jahr 2020 fehlten allein im Erwachsenenbereich 129 Palliativ- und 186 stationäre Hospizbetten, sechs Tageshospize und eine große Zahl an Personal. Ähnlich seien die Mängel bei Kindern und Jugendlichen, unterstrich Landau außerdem. So fehlen in vier Bundesländern mobile Palliativteams, aber auch stationäre Betten. Die Begleitung Sterbender dürfe nicht weiterhin von Spenden abhängen.

Neues Hospiz- und Palliativforum will Druck erhöhen

Allein bis 2020 fehlten für die Pflege und Begleitung Todkranker jährlich 18 Mio. Euro, rechnete die Caritas vor - und wollte das dezidiert als Appell an Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) verstanden wissen, der das beim Finanzausgleich berücksichtigen müsse. Zumindest sollen bald erste Sitzungen zwischen Sozial- und Gesundheitsministerium mit dem neuen Hospiz- und Palliativforum stattfinden, das aufgrund des Regierungsbeschlusses nach der Parlamentsenquete gebildet wurde.

Präsentiert wurden auch die beiden frisch gekürten Präsidentinnen des Forums, die ehemalige steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (ÖVP) und die frühere SPÖ-Gesundheitssprecherin und Wiener Ex-Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann. Das Forum soll die Zusammenarbeit sowie den Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den bestehenden Einrichtungen fördern und weitere dahingehende Maßnahmen ausarbeiten. Mitarbeiten soll es aber auch bei der Entwicklung der Regelfinanzierung, wie Klasnic und Pittermann betonten.

Weiterhin wird die Hospiz- und Palliativversorgung zu einem Gutteil von Freiwilligen getragen. Elisabeth Irmler etwa ist eine von 800 ehrenamtlichen Mitgliedern des Hospizvereins Steiermark. Ihre Arbeit sieht sie nicht als Sterbe-, sondern Lebensbegleitung - mehr dazu in steiermark.ORF.at.

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